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Autoreparaturen

Hagelschaden beseitigen – 6 wichtige Hinweise

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Einen Hagelschaden zu beseitigen ist schwerer, als oft angenommen, denn die Wucht der Eisklumpen, die auf das Auto prallen ist gigantisch. Auch wenn scheinbar nur leichte Dellen entstanden sind, besteht die Gefahr, dass sich im Bereich der Schäden später Rost bildet. Die folgenden sechs Hinweise helfen Ihnen, nach einem Hagelschaden die richtigen Entscheidungen zu treffen.


1. Verschiedene Methoden, einen Hagelschaden zu beseitigen

Der Fachmann unterscheidet zwischen Reparaturverfahren ohne Lackierung und mit Lackierung. Zu den sogenannten SmartRepair – Verfahren zählen:

  • Dellen drücken: Die Dellen werden von innen mittels spezieller Werkzeuge aus dem Blech „massiert“.
  • Dellen ziehen: Von außen werden Pins auf die Dellen geklebt, um diese aus dem Blech zu ziehen.
  • Wärmetechnik: Der Fachmann nutzt die Eigenschaft des Blechs, sich bei Wärme auszudehnen, um die Delle zu entfernen.
  • Induktionsverfahren: Die Erwärmung wird mittels Magneten, wie bei einem Induktionsherd, herbeigeführt.

Die genannten Verfahren sind sehr preisgünstig, da in der Regel keine Verkleidungen abgebaut werden müssen. Lediglich wenn schwierige Dellen ausgerückt werden, ist ein Ausbau erforderlich. Es handelt sich bei Hagelschäden übrigens immer um Dellen, nicht um Beulen, denn Dellen haben eine Vertiefung nach Innen, Beulen wölben sich nach außen. Daher heißt es auch Dellendoktor, nicht Beulendoktor.

2. Wann Lackierarbeiten unumgänglich sind

Schwere Hagelschäden lassen sich nicht ohne neue Lackierung beheben. Je nach Anzahl und Tiefe der Dellen, lassen sich die Schäden ausschließlich durch Spachteln und Lackieren oder durch den Austausch der betroffenen Teile beheben. Üblicherweise gelten folgende Kriterien:

  • Der Hagelschlag hat auch den Lack beschädigt, daher ist eine Lackierung der betroffenen Teile erforderlich.
  • Der Lack ist zwar unbeschädigt, aber die Dellen sind sehr tief oder haben einen Durchmesser von mehr als 30 Millimeter.
  • Die Dellen weisen scharfe Kanten auf und lassen sich daher mit keiner Methode restlos beseitigen.
  • Die Lage der Dellen ist ungünstig, beispielsweise ein der Nähe von Schweißnähten.

Wenn ein Bauteil, beispielsweise ein Kotflügel oder die Motorhaube mit mehr als 500 Dellen überzogen ist, lohnt sich weder ein Versuch mit einer SmartRepair-Methode, noch Spachteln und Lackieren. Der Austausch ist wirtschaftlicher und auch technisch die bessere Lösung.

3. Welche Versicherungen die Kosten von Hagelschäden übernehmen

  1. Keine Haftpflichtversicherung übernimmt Schäden am eigenem Fahrzeug, dafür ist die Kasko-Versicherung zuständig.
  2. Prüfen Sie nach, ob Sie zumindest eine Teilkaskoversicherung haben. Sie übernimmt die Kosten, um Schäden, die durch Elementarereignisse entstehen, zu beheben. Hagel, Sturm und Blitzschlag sind beispielsweise solche Ereignisse.
  3. Da es sich um einen Teilkaskoschaden handelt, werden Sie aufgrund des Schadenereignisses nicht hochgestuft. Sie müssen in der Regel eine vereinbarte Selbstbeteiligung übernehmen. Einige Versicherungen erlassen Ihnen den Selbstbehalt, wenn sie sich freiwillig für eine günstige Reparaturmethode entscheiden.

Wichtig: Da es bei Voll- und Teilkaskoversicherungen keine Vorschriften über die Vertragsgestaltung gibt, ist es immer ratsam, sich die Police und die allgemeinen Versicherungsbedingungen anzusehen.

4. Schadensmeldung und Regulierung

  • Melden Sie den Hagelschaden schriftlich innerhalb von einer Woche nach dem Schadenereignis. Eine telefonische Meldung reicht nicht aus, falls es zu einem Problem kommt und Sie die rechtzeitige Meldung beweisen müssen. Da es als sogenannte Obligenheitsverletzung gilt, wenn Sie die schriftliche Meldung zu spät einreichen, riskieren Sie, dass die Versicherung die Schadenregulierung verweigert (Urteil vom 18.6.2009 des Amtsgerichts Coburg, Az. 15 C 378/09).
  • Geben Sie in der Meldung den Ort, das Datum und die Uhrzeit des Hagelschlags an. Das ist wichtig, da es darauf ankommt, ob die Schäden durch Hagel oder ein anderes Ereignis entstanden sind. In der Teilkasko sind Sie in der Regel nicht gegen Vandalismus versichert.
  • Sie haben eine Schadensminderungspflicht, daher müssen Sie sich unter Umständen vorhalten lassen, wieso Ihr Auto auf der Straße stand, statt in einer vorhandenen Garage. Dieser Umstand ist besonders wichtig, wenn Sie Ihr Auto als Garagenwagen zu einem günstigen Tarif versichert haben.
  • Im Rahmen der Pflicht einen Schaden zu mindern, sind Sie gehalten, weiteren Schaden zu verhindern. Sie müssen zum Beispiel bei einer defekten Scheibe durch geeignete Maßnahmen dafür sorgen, dass kein Wasser ins Fahrzeug dringt.
  • In der Regel schickt die Versicherung einen Gutachter. Dieser ermittelt die Höhe der Reparaturkosten und den Wiederbeschaffungswert des Autos. Wenn die Kosten für das Beseitigen des Hagelschadens mehr als 30 % über dem Wiederbeschaffungswert liegen, bekommen Sie in der Regel lediglich die Differenz zwischen Rest- und Wiederbeschaffungswert erstattet.
  • Es steht Ihnen üblicherweise frei, ob Sie den Hagelschaden beseitigen lassen oder nicht. Wenn Sie ihn nicht reparieren lassen wollen erstattet die Versicherung lediglich den Nettobetrag, da keine Mehrwertsteuer anfällt.

Bei Firmenwagen erstattet die Versicherung lediglich den Nettobetrag, sofern die Firma zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Die Mehrwertsteuer ist für Firmen ein sogenannter durchlaufender Posten.

5. Wie Sie einen Hagelschaden und die Schadenhöhe beweisen können

Wenn Sie Glück im Unglück haben, wurden viele Fahrzeuge von Hagelschäden betroffen. Die Versicherung ist in der Regel bestens über die Wetterlage am Schadentag informiert. Häufig entsenden die Gesellschaften zusammen Gutachter, die an einem zentralen Ort alle betroffen Fahrzeuge begutachten. Die Abwicklung erfolgt schnell und unbürokratisch. Aber leider auch oft nicht exakt. In der Eile besichtigen die Gutachter auch ungewaschene Fahrzeuge oder Autos, die in der Sonne stehen. So übersehen Sie manchen Schaden.

Denken Sie daran, zum Termin mit dem Gutachter die Fahrzeugpapiere mitzubringen. Er benötigt sie, um die Höhe der Reparaturkosten, die Wertminderung, den Rest- und den Wiederbeschaffungswert zu ermitteln.

Wenn Sie Pech haben, handelte es sich um ein sehr lokal begrenztes Ereignis und die Versicherung bezweifelt, dass Ihr Auto durch Hagel beschädigt wurde.

Was können Sie tun, wenn die Versicherung nicht glaubt, dass Sie einen Hagelschaden am Auto hatten?

Sie müssen drei Fakten beweisen:

  1. Ihr Auto hat einen Schaden, den Hagel verursacht haben kann. Eine einzelne Delle im unteren Bereich der Tür beispielsweise deutet auf einen Parkrempler hin. Fertigen Sie daher Fotos des Autos aus verschiedenen Perspektiven an.
  2. Es gab an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit Hagelschlag. Sollten Zeugenaussagen nicht vorliegen oder ausreichen, beantragen Sie ein Gutachten beim Wetterdienst. Das Vorgehen ist sinnvoll, wenn der Hagel eng lokal begrenzt war und nur kurz anhielt.
  3. Schlussendlich müssen Sie außerdem die Anwesenheit des Fahrzeugs am Ort des Hagelschlags belegen können. Hier helfen Zeugenaussagen, Tankquittungen oder Hotelrechnungen, wenn der Hagel nicht in unmittelbarer Nähe Ihres Wohnorts nieder ging.

6. Gute Gründe, auf einen Dellendoktor zu verzichten

Auch wenn Gutachter und Versicherungen es anders sehen: Einen Hagelschaden ohne Lackieren zu beseitigen, ist den aufwändigeren Verfahren mit Grundierung und Neulackierung deutlich unterlegen. Das liegt in der Natur des Schadens. Auch ein kurzfristiges Eindrücken des Bleches bedeutet in der Regel unsichtbare Mikrorisse in der Lackierung. So gesehen gibt es keinen Hagelschaden, bei dem der Lack unversehrt bleibt. Besonders das Dellenziehen belastet den Lack zusätzlich, aber auch die Wärmetechnik oder das Induktionsverfahren setzen dem Lack zusätzlich zu.

Blech ist dehnbarer als Autolack, daher bedeutet jede Bewegung des Blechs, dass sich zwangsläufig Risse bilden. Wenn Sie sich, beispielsweise weil Sie für einen Oldtimer keine Ersatzteile finden, für das Dellen drücken entscheiden, achten Sie darauf, den Lack besonders gut zu pflegen. Versiegeln Sie ihn regelmäßig mit Hartwachs oder einer Nanoversiegelung. So können Sie das Rosten zumindest deutlich hinauszögern.

FAQ

Kann mich die Versicherung zwingen, einen Hagelschaden zu beseitigen?

Es liegt in Ihrem Ermessen, ob Sie den Schaden beseitigen lassen, ihn selbst reparieren oder ob Sie vollständig auf die Beseitigung des Schadens verzichten. Ohne den Nachweis einer fachgerechten Reparatur, kommt es bei einem erneuten Hagelschaden zu Problemen, denn vermutlich können Sie nicht belegen, welche Schäden neu entstanden sind.

Bedeutet ein Hagelschaden eine Wertminderung des Autos?

Ja, jeder Hagelschaden, egal ob Sie ihn reparieren lassen oder nicht, mindert den Wert Ihres Fahrzeuges. Immerhin besteht das Risiko, dass die beschädigten Teile schneller verrosten. Achten Sie darauf, dass der Sachverständige in seinem Gutachten eine Wertminderung berücksichtigt.

Darf ich einen Hagelschaden verschweigen?

Sie dürfen ein Auto mit Hagelschaden als unfallfrei bezeichnen, aber lügen Sie nicht. Unterlassen Sie bestimmte Bemerkungen, wie zum Beispiel: „Der hatte nie einen Kratzer.“ Geben Sie den Hagelschaden zu, wenn Sie ein Interessent konkret danach fragt.

Wovon hängen die Kosten für die Beseitigung des Hagelschadens ab?

Die Kosten hängen von der Reparaturmethode und der Anzahl sowie Tiefe der Dellen ab. Reparaturverfahren ohne Lackierung rechnen die meisten Betriebe je Delle ab. Beim Spachteln oder Austausch der Teile spielt die Anzahl der Dellen keine Rolle.

Werde ich bei einem Hagelschaden in der Versicherung hochgestuft?

Hagelschäden reguliert die Teilkaskoversicherung. In diesen Verträgen ist eine Selbstbeteiligung üblich, aber kein Schadenfreiheitsrabatt. Durch Hagelschäden werden Sie also nicht in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse hochgestuft.

Bildquelle:

  • www.pixabay.com

1 Kommentar

  1. Die Autoreparatur nach einem Hagelschaden kann eine echte Herausforderung sein. Es gibt verschiedene Methoden, um diese Dellen zu beseitigen, aber es erfordert Geduld und Geschick. Eine Methode ist das Drücken der Dellen von innen mit speziellen Werkzeugen. Das klingt einfacher als es ist, und man sollte immer bedenken, dass es Situationen gibt, in denen man einen Profi braucht. Also, immer vorsichtig sein und den Schaden nicht noch größer machen!

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